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Vegan · Österreich

Kennzeichnung

Wie Ersatzprodukte heißen dürfen

Warum es Haferdrink heißt und nicht Hafermilch — aber Sojaschnitzel Schnitzel heißen darf.

Die Regel ist asymmetrisch. Milcherzeugnis-Bezeichnungen sind auf EU-Ebene seit Langem geschützt, Fleischbezeichnungen waren es nicht. Das ändert sich gerade: Nach einer Ablehnung 2020 und einem Gerichtsurteil 2024 hat die EU im Jahr 2026 einen Kompromiss gefunden — Gattungsbegriffe wie Burger und Wurst bleiben frei, Tierarten und Teilstücke wie Steak und Speck werden geschützt.

Für Betriebe ist das relevant. Wer eine Karte schreibt oder ein Erzeugnis benennt, bewegt sich hier im geregelten Bereich — nicht im Geschmacksbereich.

Übersicht

Begriff für Begriff

9 Bezeichnungen

Milch

geschützt
Regel

Die Bezeichnung ist für das Erzeugnis aus tierischer Eutersekretion reserviert. Der Europäische Gerichtshof hat 2017 bestätigt, dass rein pflanzliche Erzeugnisse nicht als Milch bezeichnet werden dürfen — auch nicht mit klarstellendem Zusatz.

Was zulässig ist

Drink, Getränk. Also Haferdrink, Sojadrink, Mandeldrink.

Anmerkung

Ausnahmen bestehen für historisch gewachsene Bezeichnungen wie Kokosmilch und Mandelmilch in bestimmten Zusammenhängen.

Käse

geschützt
Regel

Reserviert für Erzeugnisse aus Milch. Pflanzliche Alternativen dürfen nicht so heißen, auch nicht als Wortbestandteil.

Was zulässig ist

Alternative, Aufstrich, Scheiben, Schmelz. Fantasienamen sind zulässig, solange sie nicht irreführen.

Anmerkung

Frischkäse-Alternative geht, Cashewkäse nicht. Der Unterschied liegt darin, ob die geschützte Bezeichnung das Erzeugnis benennt oder nur der Vergleich beschrieben wird.

Butter

geschützt
Regel

Für Milcherzeugnisse reserviert.

Was zulässig ist

Streichfett, Margarine, Aufstrich.

Anmerkung

Erdnussbutter und Kakaobutter sind ausdrücklich zugelassene Ausnahmen, weil die Bezeichnung sich unabhängig eingebürgert hat.

Joghurt · Sahne · Obers · Rahm

geschützt
Regel

Sämtlich für Milcherzeugnisse reserviert.

Was zulässig ist

Fermentiert, Kultur, Creme, Cuisine.

Anmerkung

Sojajoghurt ist nicht zulässig, Soja fermentiert oder Sojakultur schon.

Ei

geschützt
Regel

Für das Hühnerei reserviert.

Was zulässig ist

Ei-Ersatz, Ei-Alternative, Bindemittel.

Anmerkung

Eierschwammerl bleibt zulässig — es ist ein eingebürgerter Pilzname, kein Hinweis auf Ei.

Schnitzel · Wurst · Burger · Nuggets

zulässig
Regel

Diese Bezeichnungen bleiben für pflanzliche Erzeugnisse zulässig — auch nach der Neuregelung von 2026. Ein allgemeines Verbot wurde 2020 abgelehnt. Der Europäische Gerichtshof kippte im Oktober 2024 ein französisches nationales Verbot mit der Begründung, dass die bestehende Kennzeichnungspflicht ausreiche.

Was zulässig ist

Veganer Burger, vegane Wurst, pflanzliches Schnitzel, Nuggets — solange klar erkennbar ist, dass es sich um ein pflanzliches Erzeugnis handelt.

Anmerkung

Maßgeblich bleibt das Irreführungsverbot der Lebensmittelinformationsverordnung. In Österreich ist zusätzlich der Codex Alimentarius Austriacus Beurteilungsmaßstab.

Steak · Speck · Filet · Huhn · Rindfleisch

künftig geschützt
Regel

Im Oktober 2025 stimmte das Europäische Parlament für eine Einschränkung, im März 2026 einigten sich Parlament und Rat auf einen Kompromiss, den das Parlament im Juni 2026 bestätigte. Rund dreißig Bezeichnungen, die sich auf Tierarten oder einzelne Teilstücke beziehen, sollen pflanzlichen Erzeugnissen künftig nicht mehr offenstehen — darunter Fleisch, Rind, Schwein, Huhn, Pute, Steak, Filet, Speck, Rippchen, Keule, Haxe.

Was zulässig bleibt

Gattungsbegriffe wie Burger, Wurst, Schnitzel und Nuggets sind ausdrücklich nicht betroffen. Eine „vegane Bratwurst" bleibt zulässig, ein „veganes Steak" nicht.

Anmerkung

Die Mitgliedstaaten müssen noch formell zustimmen. Danach gilt eine dreijährige Übergangsfrist — die neuen Regeln müssen voraussichtlich ab 2029 umgesetzt sein. Stand September 2026; das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Geschützte Ursprungsbezeichnungen

geschützt
Regel

Bezeichnungen wie Parmigiano Reggiano, Mozzarella di Bufala Campana oder Tiroler Graukäse sind an Herkunft und Herstellungsverfahren gebunden.

Was zulässig ist

Umschreibungen. Für Parmesan-Alternativen etwa Hefeflocken-Topping oder Streuwürze.

Anmerkung

Das gilt unabhängig davon, ob das Erzeugnis pflanzlich ist — auch ein Kuhmilchkäse aus Bayern darf nicht Parmigiano heißen.

Vegan

nicht geregelt
Regel

Für die Angabe vegan besteht auf EU-Ebene bislang keine rechtsverbindliche Definition. Es gilt das allgemeine Irreführungsverbot.

Was zulässig ist

In der Praxis wird meist auf die Definition der Europäischen Vegetarier-Union zurückgegriffen, auf der auch das V-Label beruht.

Anmerkung

Weil die Angabe nicht geregelt ist, sagt sie nichts über die Prüftiefe aus. Ein Siegel mit veröffentlichten Kriterien ist aussagekräftiger als das Wort allein.

Wo die Grenze verläuft

Maßgeblich ist, ob die geschützte Bezeichnung das Erzeugnis benennt oder ob nur ein Vergleich beschrieben wird. „Cashewkäse" benennt. „Alternative zu Frischkäse" beschreibt.

Fantasienamen sind zulässig, solange sie nicht irreführen. Deshalb tragen viele Erzeugnisse Kunstnamen mit einer erklärenden Zeile darunter.

Bei Zweifeln entscheidet die Verkehrsauffassung — in Österreich beschrieben im Codex Alimentarius Austriacus. Bei konkreten Erzeugnissen ist eine lebensmittelrechtliche Prüfung ratsam; diese Seite ersetzt sie nicht.

Zum Weiterlesen

Zutatenlisten prüfen mit dem Zutaten-Check, Begriffe nachschlagen im Glossar, Rechtsgrundlagen im Publikationsverzeichnis. Konkrete Anwendungsfälle: Eis ohne Milch und Käsewerk.