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Selbst anbauen

Garten, Balkon und Wildkräuter

Was auf kleiner Fläche funktioniert, was draußen wächst — und woran man Verwechslungen erkennt.

Beim Sammeln gilt eine einzige Regel

Nur ernten, was zweifelsfrei bestimmt ist. Bei Wildpflanzen entscheidet nicht die Wahrscheinlichkeit, sondern die Sicherheit. Ein einzelnes Blatt Herbstzeitlose zwischen Bärlauch kann tödlich enden — es gibt kein Gegenmittel.

Wer neu anfängt, geht die ersten Male mit jemandem mit, der sich auskennt, oder besucht eine Kräuterwanderung. Bestimmungs-Apps sind eine Hilfe, aber keine Absicherung.

Im Zweifel stehen lassen. Das kostet eine Mahlzeit. Die Alternative kostet mehr.

Balkon und Garten

Was auf kleiner Fläche geht

8 Bereiche

Kräuter im Topf

einfach

Schnittlauch, Petersilie, Basilikum, Thymian, Rosmarin, Oregano, Minze

Der beste Ertrag pro Fläche. Minze und Zitronenmelisse wuchern — eigener Topf, sonst verdrängen sie alles. Rosmarin und Thymian wollen es trocken, Basilikum warm und windgeschützt.

Salate und Schnittgemüse

einfach

Pflücksalat, Rucola, Vogerlsalat, Spinat, Asia-Salate, Kresse

Mehrfach beerntbar. Alle zwei bis drei Wochen nachsäen ergibt eine durchgehende Ernte. Vogerlsalat und Asia-Salate vertragen Kälte und laufen bis in den Winter.

Radieschen und Rettich

einfach

Radieschen, Monatsrettich

Vier bis sechs Wochen von der Saat zur Ernte. Gleichmäßig feucht halten, sonst werden sie holzig und scharf.

Tomaten und Paprika

etwas Aufwand

Buschtomaten, Cocktailtomaten, Chili, Paprika

Brauchen Sonne, Wärme und regelmäßig Wasser. Ein Regendach beugt Braunfäule vor. Ab 20 Liter Topfvolumen wird es ernsthaft.

Bohnen und Erbsen

etwas Aufwand

Buschbohnen, Stangenbohnen, Zuckererbsen

Binden Stickstoff und verbessern das Substrat. Stangenbohnen brauchen ein Gerüst. Roh nicht verzehren — Phasin wird erst beim Garen zerstört.

Zucchini und Kürbis

etwas Aufwand

Zucchini, Hokkaido, Mini-Kürbisse

Brauchen viel Platz und Wasser. Eine Pflanze reicht meist. Die Blüten sind essbar und lassen sich füllen.

Sprossen und Microgreens

einfach

Alfalfa, Kresse, Mungbohnen, Erbsengrün, Radieschensprossen

Ganzjährig in der Wohnung. Zweimal täglich mit sauberem Wasser spülen und Gerät heiß reinigen — im Warmen und Feuchten vermehren sich auch Krankheitserreger gut.

Kartoffeln im Sack

einfach

Frühkartoffeln in Pflanzsack oder Kübel

Erstaunlich ertragreich auf kleinem Raum. Erde nach und nach anhäufeln. Grüne Stellen und Keime enthalten Solanin und gehören großzügig weggeschnitten.

Draußen

Wildkräuter

8 Pflanzen

Bärlauch

Verwechslungsgefahr März bis Mai
Verwendung

Blätter für Pesto, Aufstrich, Suppe. Vor der Blüte am aromatischsten.

Verwechselbar mit

Maiglöckchen (giftig), Herbstzeitlose (tödlich giftig), Aronstab (giftig)

Worauf achten

Die verlässlichste Probe ist der Geruch — Bärlauch riecht deutlich nach Knoblauch. Aber: Wer ein Blatt zerrieben hat, riecht danach an allem Knoblauch. Also jedes Blatt einzeln prüfen, nicht büschelweise ernten. Herbstzeitlose und Maiglöckchen wachsen an denselben Standorten.

Brennnessel

gut erkennbar April bis Oktober
Verwendung

Junge Triebe für Suppe, Spinat, Tee. Samen als Würze.

Verwechselbar mit

Kaum verwechselbar — Taubnessel ist harmlos und brennt nicht.

Worauf achten

Handschuhe. Kurzes Blanchieren oder Walken zerstört die Brennhaare. Standorte abseits von Straßenrändern und gedüngten Flächen wählen.

Löwenzahn

gut erkennbar März bis Mai
Verwendung

Junge Blätter für Salat, Blüten für Sirup und Gelee, Wurzel geröstet als Kaffeeersatz.

Verwechselbar mit

Kaum verwechselbar. Ähnliche Korbblütler sind ebenfalls ungiftig.

Worauf achten

Ältere Blätter werden bitter. Blüten trocken und sonnig ernten, vor dem Verarbeiten kurz ausbreiten, damit Insekten abwandern.

Giersch

Verwechslungsgefahr April bis Juni
Verwendung

Junge Blätter wie Petersilie oder Spinat.

Verwechselbar mit

Hundspetersilie (giftig), Schierling (tödlich giftig)

Worauf achten

Giersch hat einen dreikantigen Stängel und dreiteilige Blätter — drei Kanten, drei Blattgruppen, drei Blättchen. Schierling riecht unangenehm nach Mäuseurin und hat rote Flecken am Stängel. Im Zweifel stehen lassen.

Holunderblüten

Verwechslungsgefahr Mai bis Juni
Verwendung

Für Sirup, Hollerküchel, Sekt.

Verwechselbar mit

Zwergholunder oder Attich (giftig)

Worauf achten

Schwarzer Holunder ist ein Strauch oder Baum mit verholzten Trieben, Attich ist eine krautige Staude, die jedes Jahr neu austreibt und aufrecht steht. Nur trocken und sonnig ernten, nicht waschen — sonst geht das Aroma verloren.

Holunderbeeren

Verwechslungsgefahr August bis September
Verwendung

Für Saft, Gelee, Suppe.

Verwechselbar mit

Attich (giftig)

Worauf achten

Roh unbekömmlich — Sambunigrin verursacht Übelkeit. Vor dem Verzehr auf mindestens 80 Grad erhitzen. Beim Schwarzen Holunder hängen die Fruchtstände nach unten, beim Attich stehen sie aufrecht.

Gänseblümchen

gut erkennbar März bis Oktober
Verwendung

Blüten und junge Blätter für Salat und Dekoration.

Verwechselbar mit

Kaum verwechselbar.

Worauf achten

Nicht von gedüngten oder behandelten Rasenflächen sammeln.

Vogelmiere

gut erkennbar März bis November
Verwendung

Ganze Pflanze für Salat, Pesto, Suppe. Schmeckt mild nach jungem Mais.

Verwechselbar mit

Ackergauchheil (giftig) — hat aber orange oder blaue Blüten statt weißer.

Worauf achten

Vogelmiere hat eine einreihige Haarleiste am Stängel, die sich beim Drehen mitdreht. Das ist das sicherste Merkmal.

Essbar

Blüten

10 Arten

Kapuzinerkresse

Blüten und Blätter, pfeffrig-scharf. Auch die grünen Samen lassen sich wie Kapern einlegen.

Ringelblume

Blütenblätter, leicht herb. Färbt Reis und Teig gelb — historisch als Safranersatz verwendet.

Borretsch

Blaue Blüten, gurkenartig. Klassisch in der Frankfurter Grünen Sauce.

Veilchen

Süßlich, für Desserts. Kandiert eine alte Wiener Konditoreitradition.

Zucchiniblüte

Männliche Blüten füllen und backen. Vorher auf Insekten prüfen.

Lavendel

Sparsam verwenden, sonst seifig. Passt zu Mehlspeisen und Sirup.

Rose

Nur ungespritzte Sorten. Für Sirup, Gelee, Rosenwasser. Das weiße Nagelende schmeckt bitter.

Gänseblümchen

Mild, für Salat und Dekoration. Knospen lassen sich wie Kapern einlegen.

Holunderblüte

Für Sirup und Ausgebackenes. Trocken ernten.

Schnittlauchblüte

Zwiebelig-mild, lässt sich in einzelne Röhrchen zerlegen.

Nicht essbar und teils stark giftig: Eisenhut, Fingerhut, Maiglöckchen, Goldregen, Oleander, Herbstzeitlose, Eibe, Christrose, Rittersporn, Trichterwinde.

Blüten aus dem Blumenhandel sind für den Verzehr nicht geeignet — sie werden in aller Regel behandelt. Nur verwenden, was ungespritzt und für Lebensmittel gezogen wurde.

Recht

Was beim Sammeln zu beachten ist

Grundeigentum. Wald darf zu Erholungszwecken betreten werden, das heißt aber nicht, dass alles entnommen werden darf. Für Pilze bestehen je nach Bundesland Mengenbeschränkungen — verbreitet sind zwei Kilogramm pro Person und Tag. Auf landwirtschaftlichen Flächen und in Kulturen gilt das Betretungsrecht nicht.

Naturschutz. Die Naturschutzgesetze sind Landessache und unterscheiden sich. Zahlreiche Alpenpflanzen stehen unter Schutz — Enzian, Edelweiß, Arnika, Alpenrose und viele mehr dürfen nicht entnommen werden. In Naturschutzgebieten und Nationalparks ist das Sammeln in der Regel untersagt.

Standort. Nicht an Straßenrändern, nicht auf gedüngten oder behandelten Flächen, nicht auf Hundewiesen. Abstand zu Feldrändern halten, wo abgedriftete Spritzmittel auftreten können.

Maßvoll. Nie ganze Bestände abernten, nie die Wurzel entnehmen, wenn Blätter reichen. Ein Drittel stehen lassen ist die übliche Faustregel.

Anschluss

Heilkräuter mit Studienlage und Vorsichtshinweisen unter Kräuter. Wann was reif ist, steht im Saisonkalender — dort auch mit Nährwerten. Was sich mit der Ernte anfangen lässt, wenn sie zu groß ausfällt, unter Haltbarmachen.