Gut verfügbar
Kohlgemüse
Grünkohl, Brokkoli, Pak Choi, Rucola. Wenig Oxalat, hohe Aufnahmequote.
Grünkohl rund 150–200 mg pro 100 g, Brokkoli 50–90 mg. Als Baustein gut, als Alleinquelle unrealistisch — dafür wären über zehn Portionen täglich nötig.
Journal · Nährstoffe · Grundlagen
Die vier Nährstoffe, die nach B12, Eisen und Omega-3 dran sind. Einer davon ist in Österreich ein Sonderfall — und ein anderer betrifft alle, nicht nur Veganer:innen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er stellt keine Beratung, keine Diagnose und keine Behandlungsempfehlung dar und ersetzt keine ärztliche oder diätologische Beratung im Einzelfall. Besonders bei Schilddrüsenerkrankungen, Nierenerkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern gehört die Abklärung in ärztliche Hände. Mehr dazu
B12 ist der Nährstoff, über den bei veganer Ernährung am meisten geredet wird — zu Recht. Diese vier hier stehen weiter hinten in der Aufmerksamkeit, obwohl die Messdaten teils deutlicher ausfallen.
Sie haben unterschiedliche Ausgangslagen:
Referenzwerte
Die Obergrenze ist kein Zielwert, sondern die Schwelle, ab der das Risiko für unerwünschte Wirkungen zu steigen beginnt.
Kalzium
Der oft gehörte Satz „Spinat hat viel Kalzium" stimmt und führt trotzdem in die Irre. Spinat enthält viel Oxalsäure, die das Kalzium bindet — nur etwa 5 Prozent davon werden aufgenommen.
Bei Grünkohl sieht es anders aus. In Studien mit markiertem Kalzium lag die Aufnahmequote bei rund 41 Prozent — höher als aus Kuhmilch mit etwa 32 Prozent. Auch Brokkoli und Pak Choi liegen im Bereich um 50 Prozent.
Gut verfügbar
Grünkohl, Brokkoli, Pak Choi, Rucola. Wenig Oxalat, hohe Aufnahmequote.
Grünkohl rund 150–200 mg pro 100 g, Brokkoli 50–90 mg. Als Baustein gut, als Alleinquelle unrealistisch — dafür wären über zehn Portionen täglich nötig.
Konzentriert
Mohn rund 1.400 mg pro 100 g, Sesam und Tahin 800–975 mg, Mandeln rund 240 mg.
Ein Esslöffel Tahin liefert etwa 120–145 mg. Praktisch, weil es sich in Saucen und Dressings unterbringen lässt.
Unterschätzt
Mit Calciumsulfat gefällter Tofu enthält 200–350 mg pro 100 g. Kalziumreiche Mineralwässer liefern über 150 mg pro Liter, manche über 500 mg.
Beim Tofu lohnt der Blick auf die Zutatenliste — nicht jeder ist mit Calciumsalz gefällt. Beim Wasser auf die Analyse am Etikett.
Vorsicht
Angereicherte Pflanzendrinks liefern meist rund 120 mg pro 100 ml — Bio-Varianten aber praktisch nie.
Der Grund ist rechtlich: Der EuGH entschied im Fall eines deutschen Bio-Herstellers, dass der Zusatz kalziumreicher Algen zu Bio-Drinks unzulässig ist. Anreicherung ist in Bio-Lebensmitteln nur erlaubt, wo sie gesetzlich vorgeschrieben ist — bei Pflanzendrinks ist sie das nicht.
Der praktische Punkt beim Umstieg auf Bio: Wer von einem angereicherten konventionellen Drink auf einen Bio-Drink wechselt, verliert unbemerkt eine Kalziumquelle, die vorher vielleicht ein Drittel des Tagesbedarfs gedeckt hat. Und noch ein Detail: Kalziumcarbonat setzt sich in der Packung ab. Ungeschüttelt bleibt ein erheblicher Teil zurück.
Kalzium · Studienlage
Hier gehört die unbequeme Zahl auf den Tisch. Die EPIC-Oxford-Studie (rund 55.000 Teilnehmende, davon etwa 2.000 Veganer) fand bei Veganer:innen ein erhöhtes Risiko für Hüftfrakturen — nach statistischer Anpassung ein Verhältnis von 2,31, was etwa 15 zusätzlichen Fällen pro 1.000 Personen über zehn Jahre entspricht.
Wichtig ist, was die Autoren selbst dazu sagen: Der Zusammenhang schwächte sich deutlich ab, sobald für Körpergewicht, Kalzium- und Proteinzufuhr korrigiert wurde. Das spricht dafür, dass nicht die vegane Ernährung als solche der Treiber ist, sondern eine unzureichende Versorgung und ein niedriger BMI — beides veränderbar.
Die deutsche RBVD-Studie fand bei Veganer:innen ebenfalls niedrigere Ultraschallwerte am Fersenbein sowie bei zehn Personen ein erhöhtes Parathormon, was auf eine knappe Kalzium- oder Vitamin-D-Versorgung hindeutet.
Belegstärke: Der Zusammenhang selbst ist gut belegt. Die Ursache ist es nicht — es handelt sich um Beobachtungsdaten, keine Interventionsstudien.
Jod
Österreich war historisch ein Kropfgebiet. Die Böden sind jodarm, entsprechend auch die Lebensmittel. Deshalb wird Speisesalz hier seit 1963 jodiert, 1990 wurde der Gehalt erhöht.
Trotzdem: Laut Österreichischem Ernährungsbericht erreichten 87 Prozent der Untersuchten die empfohlene Jodzufuhr nicht. Nach WHO-Kriterien besteht in Österreich und Deutschland weiterhin ein milder Jodmangel — in der Allgemeinbevölkerung, nicht nur bei Veganer:innen.
Bei veganer Ernährung verschärft sich die Lage, weil Milchprodukte und Fisch als Jodquellen wegfallen. Die deutsche RBVD-Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung maß die Jodausscheidung im 24-Stunden-Urin: Median bei Veganer:innen 28 µg/l gegenüber 74 bei Mischköstler:innen. Rund ein Drittel der Veganer:innen lag unter 20 µg/l — nach WHO-Einstufung ein schwerer Mangel. Das Fazit der Studienautoren war deutlich: Jod sei ein Grund zur Sorge.
Eine österreichische Befragung unter 1.565 Veganer:innen fand: 92 Prozent nahmen B12 auf, aber nur 29 Prozent kümmerten sich um Jod. Diese Lücke zwischen Aufmerksamkeit und Bedarf ist der eigentliche Befund.
Warum zu viel genauso ein Problem ist: Jodexzess kann sowohl eine Überfunktion als auch eine Unterfunktion der Schilddrüse auslösen und ist bei Hashimoto-Thyreoiditis besonders heikel. Auch bei Überversorgung kann sich ein Kropf entwickeln. BfR und AGES raten von Algen mit einem Jodgehalt ab 20 mg pro Kilogramm oder ohne ausgewiesenen Gehalt ab.
In Schwangerschaft und Stillzeit steigt der Bedarf, und ein Mangel kann die Hirnentwicklung des Kindes beeinträchtigen. Das ist der Punkt, an dem dieser Beitrag endet und ein Arztgespräch beginnt.
Zink
Pflanzliche Zinkquellen gibt es reichlich: Kürbiskerne, Hanfsamen, Cashew, Linsen, Kichererbsen, Haferflocken, Vollkorn, Tofu, Tempeh. Das Problem ist nicht die Menge, sondern das Phytat — es bindet Zink und macht es unverfügbar.
Fachlich wird das über das Phytat-Zink-Verhältnis beschrieben. Unter 15 gilt als günstig, unter 12 als gut. Ab etwa 16 ist Zink praktisch nicht mehr verfügbar.
Das Entscheidende: Dieses Verhältnis lässt sich durch Zubereitung stark verändern. In einer Untersuchung an Mais senkte die Kombination aus Einweichen, Keimen und Fermentieren das Verhältnis von 40,8 auf 7,8 — eine Reduktion um rund 81 Prozent. Sauerteigführung baut über die Hälfte des Phytats in Vollkornbrot ab, Einweichen und Keimen von Hülsenfrüchten rund ein Drittel.
Deshalb sind die D-A-CH-Referenzwerte für Zink auch nach Phytatzufuhr gestaffelt. Wer viel unverarbeitetes Vollkorn isst, braucht mehr — wer einweicht, keimt und Sauerteigbrot bevorzugt, weniger.
Zur Messung: Serum-Zink ist ein schwacher Marker. Der Wert wird vom Körper reguliert, fällt erst spät bei Mangel und schwankt mit Tageszeit, Mahlzeiten und Entzündungen. Die RBVD-Studie fand bei Veganer:innen zwar signifikant niedrigere Werte, andere Untersuchungen jedoch keine Unterschiede — die Aussagekraft ist begrenzt.
Vitamin D
Österreich liegt zwischen 46 und 49 Grad nördlicher Breite. Von Oktober bis März steht die Sonne zu flach, der UV-B-Anteil reicht für die Eigenproduktion in der Haut nicht aus. Das gilt für alle, unabhängig von der Ernährung.
Über das Essen ist der Bedarf kaum zu decken. Die durchschnittliche Zufuhr in Österreich liegt laut Ernährungsbericht bei etwa 2,3 µg bei Frauen und 2,7 µg bei Männern — gegenüber einem Schätzwert von 20 µg. Diese Lücke schließt kein Lebensmittel.
Champignons unter UV-Licht bilden relevante Mengen Vitamin D2. Die Gehalte schwanken je nach Behandlung stark.
Die einzige rein pflanzliche Quelle für Vitamin D3. Wird für vegane Präparate genutzt.
D3 wirkt deutlich besser. In einer kontrollierten Studie hob D3 den Blutspiegel um rund 74 Prozent, D2 nur um etwa 33 — bei gleicher Dosis.
Wer ergänzt, sollte veganes D3 aus Flechten bevorzugen.
Hier lohnt Genauigkeit, weil bei kaum einem Nährstoff so viel behauptet wird.
Belegt ist der Nutzen für die Knochengesundheit, vor allem in Kombination mit Kalzium und bei älteren oder unterversorgten Menschen.
Nicht belegt ist der Rest. Die große VITAL-Studie mit rund 25.900 Teilnehmenden fand keinen signifikanten Effekt auf Krebs, Herz-Kreislauf-Ereignisse oder Gesamtsterblichkeit. Der australische D-Health-Trial mit 21.315 Teilnehmenden ebenfalls nicht. Ein früherer Cochrane-Hinweis auf eine leicht gesenkte Sterblichkeit hat sich in diesen großen Studien nicht bestätigt.
Ein weiterer Punkt: Es gibt keinen Konsens, ab welchem Blutwert eine Unterversorgung beginnt. Viele Fachgesellschaften nennen 50 nmol/l, andere 75. Diese Uneinigkeit entscheidet darüber, ob jemand als „mangelversorgt" gilt oder nicht — und sie ist der Grund, warum die Zahlen in Medienberichten so weit auseinandergehen.
Zur Messung in Österreich: Die ÖGK hat im April 2025 die Verrechenbarkeit der Vitamin-D-Bestimmung eingeschränkt. Die Kosten werden nur noch bei bestimmten Indikationen übernommen.
Zusammenspiel
Kennzeichnung
Zugelassene Aussagen nach EU-Recht, jeweils gebunden an eine Mindestmenge von 15 Prozent des Referenzwerts pro 100 g oder pro Portion:
Nicht erlaubt sind Aussagen, die Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer Krankheit versprechen. „Beugt Osteoporose vor" oder „schützt vor Erkältungen" darf auf keinem Produkt stehen.
Zusammengefasst
Zur Diagnostik allgemein: Serum-Kalzium sagt nichts über die Versorgung aus, weil der Körper den Blutwert eng reguliert. Serum-Zink ist wenig aussagekräftig. Jod im Spontanurin taugt für Bevölkerungsstudien, individuell nur bedingt. Der einzige der vier, dessen Blutwert sich sinnvoll bestimmen lässt, ist Vitamin D — und auch dort ist der Zielbereich umstritten.
Quellen
Nährwertangaben in diesem Beitrag sind gerundet und schwanken je nach Sorte, Herkunft und Verarbeitung.